Frisch gebackene Mütter/Väter brauchen kleine Atempausen.

Ehrenamtliche des wellcome-Projektes ermöglichen dies.

 

Wertheim. Hurra, das Baby ist da, die Freude ist riesig und nichts geht mehr. Mütter sind gerade im ersten Jahr nach der Geburt mit einer dauerhaften Verantwortung in der Pflicht. Mit der Geburt eines Babys wird der Alltag auf den Kopf gestellt: Das Baby schreit, das Geschwisterkind ist eifersüchtig, niemand kauft ein und der besorgte Vater hat noch keine Elternzeit. Zur eigenen Umstellung auf die neuen Aufgaben kommt der Verlust von Erfolgserlebnissen im Alltag oder im Beruf. Alles konzentriert sich im ersten Lebensjahr auf das eigene Kind. Gut, wenn hier die eigene Familie mit Oma/Opa, Tante/Onkel oder auch Freunde unterstützen können. Was macht aber die junge Mutter mit Partner, die diese Generationshilfe nicht abfragen kann?

Eine Antwort gibt das Angebot des Diakonischen Werkes im Main-Tauber-Kreis. Sie heißt „wellcome“ und ist eine praktische Hilfe nach der Geburt. In Wertheim gibt es seit 2012 ein wellcome-Team.

 

wellcome ist moderne Nachbarschaftshilfe: Die Ehrenamtlichen helfen den frischgebackenen Eltern unbürokratisch, individuell und praktisch im Alltag – so wie es sonst Familie, Freunde oder Nachbarn tun würden. Sie gehen mit dem Baby spazieren, damit die Mutter Schlaf nachholen kann, begleiten die Zwillingsmutter zu Arztbesuchen oder spielen mit den Geschwisterkindern. Sie stehen mit Rat und Tat zur Seite oder hören einfach zu.

Eine wellcome-Ehrenamtliche: „In den Familien erlebe ich große Freude und Dankbarkeit über mein Erscheinen, auch wenn es nur zwei Stunden sind. Es ist schön zu sehen, wie bereits eine kleine Unterstützung große Wirkung hat.“

 

Hilfe beim Übergang in den Alltag mit Baby

Hilfe von wellcome kann von allen Familien in Anspruch genommen werden, die sich im ersten Jahr nach der Geburt Entlastung wünschen. Die Ehrenamtlichen besuchen die Familien ein- bis zweimal pro Woche zu Hause, meist über einen Zeitraum zwischen sechs Wochen und mehreren Monaten. Fachlich begleitet wird der Einsatz von der Teamkoordinatorin, einer erfahrenen Fachkraft, die den Ehrenamtlichen und auch den Familien für alle Fragen zur Verfügung steht.

Elke Hauenstein (wellcome-Koordinatorin und Leiterin der Wertheimer Beratungsstelle des Diakonischen Werkes Main.Tauber-Kreises mit den Themen Schwangerschaft/Schwangerschaftskonflikt und Sozialberatung) im Gespräch mit BlickLokal Redaktionsleiterin Beate Tomann.

Beate Tomann: „Was steckt hinter dem Projekt? Worum geht es in dem Angebot?“

„Die wellcome-Ehrenamtlichen können den Familien schnell und konkret helfen. Sie sorgen dafür, dass aus kleinen Krisen keine großen werden, denn häufig kommt es gar nicht erst zu größeren Problemen, wenn Eltern frühzeitig entlastet werden. Wie wohltuend so eine Unterstützung ist, kann ich Ihnen später gern persönlich vorstellen. Sandra S. hat vier Kinder und drei davon sind im Jahres-Rhythmus auf die Welt gekommen. Hier hatte ich eine meiner Ehrenamtlichen Projektmitarbeiterinnen fast drei Jahre zur Unterstützung im Einsatz.“

 

B. Tomann: Wie erfahren Sie von dem Bedarf?

 

Elke Hauenstein: „Da ich in meiner Arbeit als Diplomsozialpädagogin mich täglich mit Schwangerschafts-, Sozial- und Lebensberatung beschäftige, kann ich das Angebot frühzeitig vorstellen. Außerdem versuche ich das Projekt immer wieder bei Kirchen-Veranstaltungen, bei Hebammen und in Kindergärten vorstellen.

 

Wir sind zurzeit mit sechs Frauen in diesen Aufgaben in Familien im Einsatz. Allerdings könnten wir noch weitere „Ehrenamtliche“ gebrauchen.

 

Beate Tomann: Welche Voraussetzungen braucht man, um als Ehrenamtliche mitmachen zu können? Bezahlen die Familien für den Einsatz?

Elke Hauenstein: „Zeit, vielleicht die Erfahrung einer Mutter oder einfach das Einfühlungsvermögen kombiniert mit praktischem Einsatzwillen. Ein Auto wäre gut, denn die Einsätze sind auch im ländlichen Raum. Der Bedarf ist ganz individuell. Eine Mutter will einfach nur einmal eine Stunde um in Ruhe zu duschen und sich die Haare zu waschen. Eine andere braucht einfach nur Zeit für sich oder eine Geschwister-Betreuung ihres Babys. Wer also Zeit und Lust hat auf menschliche Begegnung und sich gern engagieren will, soll sich bitte direkt an mich wenden. Details über das Kilometer-Geld oder den symbolischen Wertschätzungsbeitrag, den die Familien aufbringen, erfahren Sie bei mir im persönlichen Gespräch!“

 

Elke Hauenstein berichtet weiter, dass die Nachfrage in Wertheim stetig wächst. In Wertheim können Familien seit 2012 Unterstützung von wellcome bekommen. Aktuell engagieren sich dort sechs Ehrenamtliche, die allein im letzten Jahr 10 Familien unterstützt haben. Doch die Nachfrage der Familien wächst stetig. Damit der Bedarf gedeckt werden kann, freut sich das wellcome-Team über neue Ehrenamtliche.

 

Evaluation bestätigt: wellcome-Ehrenamt wirkt und bereichert!

 

Wie wirkungsvoll dieses Ehrenamt sein kann, belegt eine Studie der Universität Hamburg:
77 % der wellcome-Ehrenamtlichen geben an, dass sich das Befinden der Mutter verbessert,
67 % berichten von einer Entspannung der Familienatmosphäre. Und auch die Ehrenamtlichen profitieren von ihrer Tätigkeit: Über 90 % fühlen sich durch ihre Arbeit in den Familien persönlich bereichert, würden ein Engagement bei wellcome weiterempfehlen und wollen sich auch in Zukunft engagieren.

 

Fakten über wellcome

  • wellcome wurde 2002 gegründet
  • organisiert Praktische Hilfe nach der Geburt durch Ehrenamtliche
  • ist ein Angebot für alle Familien
  • wellcome gibt es an rund 250 Orten bundesweit, in Österreich und der Schweiz
  • 4.300 wellcome-Ehrenamtliche bundesweit im Jahr 2016
  • Schirmherrschaft bundesweit: Bundeskanzlerin Angela Merkel
  • Schirmherrschaft in Baden- Württemberg: Manfred Lucha, Minister für Soziales und Integration
  • Evaluation zum Ehrenamt bei wellcome: http://www.wellcome-online.de/ueber-uns/presse/downloads/wellcome_Evaluation_Summary_2016.pdf

 

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