Expertenrunde bei BlickLokal: Energie und Mobilität werden immer wichtiger!

Die Themen Energie und Mobilität werden in den kommenden Jahren immer mehr Bedeutung einnehmen. In Kombination sind sie vor allem beim E-Bike und dem Elektro-Auto immer gefragter. BlickLokal lud Rolf Mott von der Mott Radwelt in Bad Mergentheim und Karl Kuhn von der Tauberenergie Kuhn in Markelsheim zum Experten-Frühstück ein.

Die Experten:
Rolf Mott
(52) ist zweifacher Familienvater und führt in dritter Generation das Unternehmen, das seit 20 Jahren besteht und vom Opa gegründet wurde. Auf 1000 Quadratmetern ist man Vollsortimenter auf dem Weg zum Rad- und E-Bike-Verkauf der immer mehr Platz in Anspruch nimmt und andere Dinge verdrängt.
Karl Kuhn (48) ist dreifacher Familienvater und hat zum Jahresbeginn das Elektrizitätswerk Markelsheim zur Tauberenergie Kuhn als bundesweiten Anbieter umfirmiert, der Gas und Strom beschaffen kann. Die Firmengeschichte begann schon 1898 mit Straßenbeleuchtungen – seit drei Jahren ist man Ökostromhändler.

Was haben Sie mit Energie und Mobilität zu tun?
Kuhn: Wir bauen ein Kundencenter und wollen dort E-Mobilität einbinden. Seit Juni 2014 fahre ich selbst ein Elektroauto (Mitsubishi i-MiEV) und wir wollen über ein Smart Home System das Auto in die Software im Haus einbinden. Die Solareinstrahlung wird prognostiziert und lädt dann das Fahrzeug sinnvoll und akkuschonend auf. In Markelsheim gibt es 150 Solaranlagen, die fast die Hälfte des Stroms produzieren, den Markelsheim braucht.
Mott: Das E-Bike hat 10 Jahre gebraucht um anzukommen. Gerade bei den jungen Leuten hat es lange gedauert. Man setzt sich in ein Auto mit 50PS und macht sich keine Gedanken, aber beim E-Bike muss man Überzeugungsarbeit leisten.

Wo geht der Weg in Sachen E-Mobilität hin?
Mott: Es muss sich wirtschaftlich immer rechnen. Manche Dinge passieren erst dann, wenn es nicht mehr anders geht und keine Rohstoffe mehr gibt. Der Ami sitzt auf einem riesigen Ölfass durch sein Fracking. Der kann sagen Amerika First und solche Sachen blockieren natürlich. Aber wir brauchen diese Entwicklung, weil wir so viele Menschen sind – es ist aber sehr zäh. Es muss im Kleinen passieren.
Kuhn: Von oben kann man kaum Unterstützung erwarten, weil durch Dinge wie die Mineralölsteuer viel dran hängt. Je komplexer ein System ist, desto leichter kann man als verantwortlicher Politiker den Leute etwas erzählen, was sie nicht verstehen. Es geht darum von unten Beispiele zu bringen, wie es funktionieren kann und die Leute zu animieren es dann auch zu fordern. Der Verbraucher muss es wollen.

Was sagen Sie zu klassischen Klischees wie „Die Autos fahren doch nicht weit!“ und „E-Bikes sind so teuer!“?
Kuhn: Ich bin das schon so oft gefragt worden, dann frage ich zurück ‚Wie weit haben Sie es denn zur Arbeit?‘ und dann hat sich die Frage meist erübrigt. Die kleinen Autos haben schon 100 Kilometer Reichweite, man ist immer über Nacht lange genug daheim um aufzuladen. Man sucht selbst immer erst mal Argumente gegen Neues. Als Zweitauto könnte es sehr viele Fahrzeuge ersetzen – gerade in der Kombination mit Photovoltaik. Mott: Ein normales, hochwertiges Rad kostet auch 1.500-2.000 Euro, so weit weg ist man mit dem E-Bike also nicht. Die Nutzungsmöglichkeit muss man eher mit anderen motorisierten Fahrzeugen in Konkurrenz setzen, nicht mit dem Auto. Man nutzt es zudem das ganze Jahr. 

Was sind die Trends?
Mott: Wenn mein Kunde in Usedom mit dem E-Bike strandet, kann ich von hier mit der Software auf das Gerät zugreifen. Man braucht nicht ständig neue Räder, man macht Updates. Navigationen, die einen nach Hause führen sind auch im Kommen. Kuhn: Bei den E-Autos ist die Navigation stark im Kommen, die einen zu möglichen Ladestellen leitet. Die Verbreitung der Ladesäulen geht voran und wenn man dann mal weiter fährt, weiß man, dass man ankommt. Schnelllader können ein Fahrzeug auch schon in zwei Stunden aufladen.

Wo steht Deutschland im Vergleich zum Rest der Welt?
Kuhn: Wir sind führend und werden auch international beobachtet, gerade von den Chinesen, die massiv Probleme mit Mobilät in der Großstadt haben. Die Franzosen sind uns in Sachen E-Mobilität noch voraus, aber Opel setzt beispielsweise gerade mit dem Ampera E einen Punkt, weil der schon 500km weit fahren kann. Viele wollen aber erst abwarten, wo man Geld verdienen kann und dann mitziehen. Mott: Der deutsche E-Bike-Markt ist etwas Besonderes. Wir haben eine wahnsinnige Infrastruktur, die kennt der Franzose oder der Italiener gar nicht. Das Freizeitverhalten hat man vielleicht noch in Holland oder Dänemark.

Wie wichtig ist Lokalität?
Mott: Das Rad erleben, ertasten, probesitzen ist ein großer Vorteil. Unser Preis setzt sich aus Produkt und Personal zusammen und es ist ein großer Teil unserer Wertschöpfung, das Beratung mit dabei ist. So muss man das Rad auch nur einmal kaufen, hat Service und das bekommst du bei keinem Online-Händler.
Kuhn: Der Mensch hat sich nicht geändert, weil es Internet gibt. Vertrauen zwischen zwei Menschen ist immer noch das Wichtigste und so vertraut man auch bei uns lieber dem Fachhändler als einer Maschine. Wir sind klar strukturiert, transparent, klären auch Probleme, die sie nicht bei den Großen bekommen, wo sie im Callcenter landen und fünf Menschen das Gleiche erklären müssen.

Ihr Schlusswort?
Kuhn: Regionalität wird bei all dem Internet wieder wichtiger und das ist schön. Für mich ist es toll, wenn ich in ein Geschäft gehen kann und in der Region etwas kaufen kann. Hier im ländlichen Bereich hat man ein ganz besonderes Lebensgefühl und das können wir nur erhalten, wenn wir auf die Geschäfte hier setzen.
Mott: Das Fahrrad ist da um die Heimat zu befahren. Man muss die Welt mal gesehen haben, aber man sollte sich auf die Heimat besinnen. Alle zwei Jahre AIDA gibt uns nicht die Stärke um den Rest vom Jahr die Frau und den Mann zu stehen. Die Region muss beachtet und gepflegt werden und sorgsam damit umgegangen werden. Da ist ein E-Bike einfach perfekt.

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